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Eingeschworene Gemeinde?
Wie in anderen Artikeln erwähnt legen manche Cyberspace -User richtig Wert darauf sich einen Ruf im Internet aufzubauen. In erster Linie denkt man ans Geschäftliche, Geld, Schotter, Zaster usw.
Ich persönlich, und ca. 718‘769 andere weltweit (Stand, 25.01.2009, 13:00 Uhr), bauen ihren Ruf nicht um das vermeintlich Wichtigste im Leben, dem Geld, auf, sondern rund um ein Spiel, dessen Schwerpunkt das Suchen nach teilweise echt gemein versteckten Plastikdosen ist. Jeder darf mitmachen! Manche Extremisten würden es jedoch als Sport bezeichnen. Für mich ist es ein sehr genialer Zeitvertreib. Die Rede ist vom Geocachen! Von den „Radikalen“ wird diese Beschäftigung geheim gehalten, da dies ja elitär sei, oder manchen zu peinlich, weil zu kindisch. Vorneweg sei gesagt, mit dem Spiel kann man nichts gewinnen, außer Spannung, Spass, Spiel, Natur und andere nicht essentielle Dinge.
Warum nicht?
Warum ich es euch trotzdem vorstelle? Ich finde, dass dieses Hobby ganz gut zeigt, wie man auf eine recht günstige Art und Weise mit Menschen im World Wide Web interagieren kann, dabei nicht nur aktiv vor „der Kiste“ sitzt, sondern auch seine Umwelt erlebt und Dinge entdeckt, auf die man zuvor nie aufmerksam geworden wäre. Das geht alleine oder im Verbund mit anderen “Süchtigen”. Der dabei erlangte Erfolg wird nicht in Geld, sondern in einer Statistik ausgedrückt, die jeder auf seinem persönlichen Account pflegt.
Die Wurzeln
Der Ursprung des “Spiels” geht zurück bis ins Jahr 1854 und hieß damals noch “Letterboxing”, damals noch ohne GPS. 1980 wurde das “Letterboxing” förmlich durch Nutzung von Landkarten verbessert. 1990 wurden die ersten Koordinaten der per Landkarte ausgelegten Caches mittels GPS verifiziert. Die Revolution brach dann 2000 aus, als die US-Regierung die “Verschleierung” der GPS-Signale aufgab, und diese endlich privat genutzt werden konnten.
Die bisherige Genauigkeit der Positionsbestimmung per GPS-Signal von ca. 100 Meter wurde für nichtmilitärische Nutzer auf etwa 10 Meter erhöht. Um diese Verbesserung zu feiern, schlug Dave Ulmer am 3. Mai 2000 in der Usenet-Newsgroup sci.geo.satellite-nav unter dem Titel “The Great American GPS Stash Hunt” vor, ein weltweites Spiel zu starten und an besonderen Orten Behälter mit Tauschobjekten und einem Logbuch zu verstecken. Als Regeln formulierte er „Get some Stuff, Leave some Stuff“ – „Nimm Zeugs heraus, hinterlasse Zeugs“ und das Führen eines Logbuchs, in dem sich die Finder eintragen und den Tausch von Gegenständen dokumentieren können. Noch am selben Tag vergrub er in der Nähe der Stadt Portland/Oregon einen schwarzen Plastikeimer, in dem er neben CDs, einer Videokassette, Geldscheinen, einem Buch und einer Steinschleuder auch eine Konservendose mit Bohnen hinterlegte. Anschließend veröffentlichte er die Koordinaten des Verstecks in der Newsgroup.
Die Feinheiten…
…erfährt man in Foren, wie das Groundspeak-Forum, den Geo-Club u.v.a. Man baut sich dort mit der Zeit, infolge von teils hitzigen Diskussionen, der Menge der gefunden Caches und der Teilnahme an verschiedenen gemeinsamen Treffen, sog. Events, mit der Zeit einen Bekanntheitsgrad auf, der einen auch über Stadtgrenzen hinweg “berühmt” machen kann, ohne dabei seine wahre Identität Preis geben zu müssen, oder auch nur befürchten zu müssen, dass seine Persönlichkeit in Form von Aufenthaltsort, Lieblingswebseiten, Kaufgewohnheiten usw. ausspioniert wird. Es können so Zweckfreundschaft entstehen, weil man sich immer wieder bei der aktiven Suche oder eben Events über den Weg läuft, bis hin zu Cachegemeinschaften und Partnerschaften.

Voraussetzungen
Jeder, aber auch wirklich jeder darf und kann mitspielen. Sofern er Folgendes mitbringt.
Wie ihr bereits ahnt, Internetzugang mit dazugehörigem Account auf der internationel Website www.geocaching.com oder dem nationalen Pendant www.geocaching.de (oder jedes andere Land).
Des Weiteren Spass an der Natur, Spürsinn, ein GPS-Empfänger oder eine wirklich sehr gute topographische Landkarte und je nach zu lösender Aufgabe verschiedene spezielle Ausrüstungsgegenstände, wie z.B. Stift, Magnet, Lineal oder Zollstock, Leitern jeglicher Art usw.
Das Geocachen kann man sich wie eine moderne Schnitzeljagd vorstellen. Jemand versteckt etwas, in den meisten Fällen ist das ein wasserdichter Behälter in der Größe einer Filmdose – aber auch jede andere Größe ist vorhanden, von fingernagelgroßen Magnetplättchen bis hin zu monströsen Wasserfässern – und veröffentlicht die Koordinaten des Verstecks auf der Internetsite. Dabei beschreibt er, warum er genau das Objekt dort versteckt hat, wie man es aufspüren kann, welche Bedingungen man erfüllen muss und wenn er gnädig ist auch welche Ausrüstung benötigt wird. Hat man das Objekt der Begierde dann gefunden, Vergraben ist übrigens verboten, trägt man seinen”Decknamen”, wie bei einem Gipfelbuch in das im Cache vorhanden Logbuch ein und erhält damit auch die Berechtigung den Fund online einzutragen.
Warum tun sie das?
Die Gründe für das Versteck sind verschieden, z.B. weil es ein besonders schöner Ort ist, oder es sich um eine Gegend mit historischen Hintergrund handelt, oder einfach weil er meinte sich hier “verewigen” zu müssen. Aber wer jetzt denkt, dass so ein paar Verrückte Müll in Form von Plastikdosen in die Botanik werfen irrt! Geocacher treiben dieses Hobby unter dem Motto “Cache in – Trash out!”, welches bedeutet, dass sich jeder verpflichtet, Müll den er beim Geocaching findet aus der Umwelt zu entfernen und umweltgerecht zu entsorgen.
Das ist nur ein kurzer Abriss von dem ganzen Spass, der dahinter steckt. Sicherlich gäbe es Alternativen wie “Second Life”, “World of Warcraft”, “Counter-Strike” um sich im Cyberspace bekannt zu machen, aber habe ich schon die Natur und die realen Begegnungen erwähnt?!
Legendär

Im obigen Bild zeige ich euch das Profil einer “Legende” hier im Münchner Raum, einmal auf Grund des Erfolges beim Suchen, aber v.a. beim Verstecken. Die Verstecke sind meist sehr ausgereift in Größe, Form, Phantasie und Tarnung. Ich selbst habe neulich knapp 45 Minuten nach einem Versteck gesucht, obwohl es mir die ganze Zeit penetrant vor der Nase baumelte.
Mehr wird euch Muggeln (aus Harry Potter, bezeichnet “Nicht-Cacher”) nicht verraten! Dies hier sind nur Bruchteile dessen, wie genial Geocachen ist. Klar könnten Bewegungsprofile erstellt werden in einer Zeit der Bundestrojaner, nur bei diesem Spiel schert sich keiner darum!
(c) Ziegensepp, WT09a


25. Januar 2009
Nett geschriebener Text.
Hier wurde das Hobby zum “Artikel” gemacht
25. Januar 2009
ich kenn das SPiel, betreibe es selbst aktiv und fühle mich vom Internet auf keinste Weise ausspioniert. Im Gegenteil, die beschriebene Vereinigung von WWW und Natur ist wunderbar!
25. Januar 2009
i wer narrisch! is ja stärker als jeder panzer. und wann bitte hast du zeit für solche geo-spielchen?
mkg,
s t
26. Januar 2009
bin selbst auch “aktiv” und finde diese art zeitvertreib echt super
26. Januar 2009
Ich bin auch dabei… Macht voll Spaß!
26. Januar 2009
Danke für die Tolle Vorstellung, bin vor einigen Jahren bereits offline auf das Thema gestoßen als mich ein Freund auf eine solche “Schnitzeljagd” mitnahm.
27. Januar 2009
@Torsten: Du kannst gern mal wieder mitkommen, hab da ein Versteck, das ist durchaus für Soldaten geeignet
27. Januar 2009
Daniel hat mich in meiner Anfangszeit in München auch mal mitgenommen und seit dem hab ich richtig “Blut geleckt”. Es ist abwechselungsreich, spannend und bietet den gewissen Kick. Die moderne Art der Schnitzeljagd.
27. Januar 2009
Sehr nett und durch aus wissentschlaftlich.
ich finds sehr spannend geschrieben.
27. Januar 2009
Hab mich auch von ner Freundin anstecken lassen und mach es echt gerne als Ausgleich zur Arbeit.
27. Januar 2009
Man man, da sieht man mal wieder, wie die moderne Vernetzung für altbewährte Dinge genutzt werden kann. Stell mir diese Sache sehr witzig vor. Es ist auf jeden Fall wahr, dass es gesünder ist, als sein Hobby nur im Internet zu suchen.
Klar baut man sich dort auch einen Ruf auf, doch ist er doch genauso nichtssagend für eine Online-Reputation wie ein Account bei Spielen wie World of Warcraft oder einen Namen im Spiel Counter-Strike. Oder seh ich das nun falsch?
Aber trotzdem schön zu wissen, was es nicht alles gibt und wieviele alleine von uns sogar dabei sind!
27. Januar 2009
da stimme ich dir insofern zu, dass dieser Ruf im Berufsleben nicht wichtig ist, jedoch innerhalb des Spieles ist dieser sehr wohl von Vorteil, bzw aussagekräftig.
Denn daran erkennt man, wer wieviel Ahnung hat, und einem evtl weiterhelfen kann, wenn man selbst einen Cache, ein Event oder dergleichen plant.
Global darfst du das sicher nicht sehen.
27. Januar 2009
hört sich echt witzig an, da werd ich mich ma mitn kumpel auf de suche amchen
danke für die infos
27. Januar 2009
bevor jetzt hier n Hype aufkommt… Bei dem Spiel gibt es Regeln… dieses lebt davon, dass die Mitspieler sich an diese halten.
04. Februar 2009
ich finde es ist der perfekte ausgleich zum alltag und das für wirklich jedermann. ob jung ob alt, ob dick oder dünn, ob morgens oder in der nacht jeder wie er kann. es ist eigentlich wie ein überraschungsei für große spannung, spiel, und manchmal auch schokolade;-)
12. Februar 2009
Sehr schön geschriebener Artikel!
05. März 2009
Jaja, wieder mal ein begeisterter GEOcacher!
Einfach nur empfehlenswert! Man kommt an die frische Luft, kann ein bisschen Indiana Jones spielen und kann auch noch mit anderen und seinen Freunden um die Wette suche… Spiel, Spaß und Spannung!