MeinProf.de – Studenten bewerten Dozenten im Web

Naebil Ibrahim 19. März 2009 | 3 Comments | Posted in Online Reputation

Vielfach vertreten sind sie inzwischen im Web. Bewertungsplattformen wie spickmich.de , schulradar.de , oder auch www.rottenneighbor.com. Dieser Artikel handelt von eben solch einer Plattform, die nicht zuletzt auch für Studenten der Universität der Bundeswehr München von Interesse sein könnte. Die Rede ist von MeinProf.de . Der Spiegel berichtet auf seiner Internetprsäsenz in mehreren Artikeln über die umstrittene Evaluationsplattform für Studenten.

Die Seite wurde von Mitgliedern der studentischen Unternehmensberatung Juniter in Berlin gegründet und wird von diesen ehrentamtlich betrieben. Seit November bieten die Betreiber Studenten die Möglichkeit ihre Professoren und Dozenten mit Noten von 1 – 5 in verschiedenen Kategorien zu bewerten. Fairness, Unterstützung und Interesse sind einige dieser Benotungsfelder. Über 230 000 Bewertungen für etwa 32 000 Dozenten wurden mittlerweile abgegeben – auch zur UniBw München. Eine stolze Bilanz. Verständlich, dass solch ein enormes Interesse auch Professoren auf die Seite aufmerksam werden ließ.

Die Seite erhält durchaus auch zuspruch aus den Reihen der Professoren, wie zum Beispiel vom Dekan der TU Berlin. Besonders aber seitens Dozenten, die sich bei den Bewertungen im unteren Bereich wiederfinden, weht heftiger Gegenwind. Ganze Universitäten werfen sich schützend vor ihre Professoren. Solch eine Transparenz ihres Lehrpersonals wollen sie nicht gut heißen. Hochschulen konkurrieren miteinander, Dozenten verlieren an Autorität und Ansehen. Sogar das Professorengehalt ist teilweise schon leistungsbemessen! Dies sind einige der fragwürdigen Vorwürfe mit denen die Betreiber zu kämpfen haben.

Eines der Hauptargumente der Gegner der Plattform ist, dass die Verarbeitung personenbezogener Daten gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstoße. Die Verbesserung der Lehre ist eines der Ziele von MeinProf.de . Die Idee an sich ist nicht neu. An vielen Unis gibt es schon seit einiger Zeit Evaluationskomittees. Die Ergebnisse der Befragungen bekommen die Studenten jedoch meist nicht zu Gesicht.

Eigentlicher Knackpunkt hierbei ist nicht die öffentliche Evaluation, sondern die konkrete Angabe von “Name”, “Titel”, “Schwerpunkt” oder ähnlichem.

In einem Gerichtsprozess zwischen MeinProf.de und einem Professor einer Fachhochschule in Brandenburg entschied das Landgericht Berlin in zweiter Instanz für die Betreiber. Das Gericht war der Ansicht, dass sich Hochschuldozenten in ihrer Funktion öffentlicher Kritik stellen müssen. Als Staatsbedienstete sei zu differenzieren, ob sie als Privatpersonen oder als Privatpersonen betroffen sind.

Wie auch bei anderen Bewertungsplattformen, kommt es auch bei MeinProf.de zu beleidigenden und denunzierenden Kommentaren oder ungerechtfertigten Äußerungen. Alle bedenklichen Kommentare auf der Stelle zu löschen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen, stellt eine schier unlösbare Aufgabe dar. Die Betreiber sind jedoch bemüht das Image ihrer Seite so seriös wie möglich zu halten und unangebrachte Äußerungen o. ä. so schnell wie möglich zu entfernen.

Die Betreiber verstehen ihr Angebot als Hilfe für Studenten – und nicht zuletzt auch als Anstoß zur Verbesserung der Lehre. Die Idee ist gut. Die Art der Darstellung bleibt weiterhin umstritten.

Seht selbst und bildet euch eure eigene Meinung!

Quellen:

 
Über ein weiteres Bewertungsportal berichtet Daniel Piechaczek in seinem Artikel:
Schulradar und Spickmich.

RottenNeighbor – Nachbarn bewerten oder denunzieren?  Hier ein Extrembeispiel zu diesem Thema von Daniel Haufe.

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3 Kommentare “MeinProf.de – Studenten bewerten Dozenten im Web”

  1. Torsten

    Ich nutze dieses Portal regelmäßig. Einige unserer Professoren und Dozenten bitten auch um Bewertungen da diese hier an der Uni ein relativ hohes Gewicht haben sollen.

  2. Daniel Haufe

    ist auch verständlich, wo bekommt man denn besseren Feedback als auf solchen Portalen, wie ernst man allerdings Notern und Kommentare nehmen kann, muss man wohl von einem zum anderen abwegen!

  3. Juergen Hoppe

    Das ist hier wieder mal ein zweischneidiges Schwert.

    Auf der einen Seite ist ein Feedback der Studenten wichtig und gibt dem Professor die Möglichkeit, auf Lob, Kritik und andere Anregungen zu reagieren.

    Auf der anderen Seite bleibt natürlich das Risiko der geziehlten Diffamierung oder andere Formen von Schmähung und Beschimpfung, wie bei andere Online-Plattformen.

    Dies sollte vom Betreiber unterbunden werden, wenn dieses stattfinden würde, wäre meinprof.de ein sinnvolle und zeitgemäße Ergänzung der Evaluation an deutschen Universitäten und FHs.

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