Folgen der Aufmerksamkeit

Juergen Hoppe 19. Februar 2009 | No Comments | Posted in Allgemein

Am Folgenden Beispiel möchten wir aufzeigen, welche Folgen Aufmerksamkeit im Internet haben kann.

Der 27 deutsch- ägyptische Student Philip Rizk betrieb im Internet den Block „Tabulagaza“, in dem er gegen den Krieg im Gazastreifen protestierte. Der im Moment leider nicht mehr frei zugängliche Blog machte den jungen Mann über Nacht Weltberühmt.

Er wurde auf dem Heimweg von einer Demonstration gegen den Militäreinsatz im Gazastreifen von unbekannten aus einem schwarzen Lieferwagen ohne Nummernschild verschleppt.

Klar war bald, dass es sich um ägyptische Sicherheitskräfte handelte, jedoch wurde keine Anklage erhoben oder etwas offiziell bekannt gegeben.

Auch Bemühungen des deutschen auswärtigen Amtes blieben erfolglos.

Seine Familie, allen voran seine Schwester, begannen sofort krach zumachen indem sie über Blog und Internetforen seine sofortige Freilassung forderten.
Zwei Tage nach seiner Verschleppung tauchten plötzlich Mitarbeiter der ägyptischen Sicherheitskräfte und durchsuchten seine Wohnung, die seiner Schwester und seiner Eltern und beschlagnahmten Laptops und einige Festplatten, ebenfalls sollte sein Vater „zur weiteren Befragung“ mit den Sicherheitskräften kommen, die konnte ein herbeigerufener Anwalt allerdings verhindern.

Mit dem Verweis, dass in Ägypten seit 1981 der Ausnahmezustand herrscht und verdächtige Personen jederzeit ohne Angabe von Gründen verhaftet und eingesperrt werden können, bezog ein General des Innenministeriums am darauffolgenden Tag Stellung zu Rizks Festnahme und verwies auf den ägyptischen Generalstaatsanwalt. Laut Angaben von Amnesty-International sitzen in Ägypten über 10.000 Menschen ohne ordentliches Gerichtsverfahren in Gefängnissen und Lagern.

Der Fall erregte internationalen Protest, bald Gründeten sich wieder eigene Blogs und Mikroblogs, welche Rizks Freilassung forderten. Bei Facebook gründete sich sogar eine eigene Gruppe „Support and Prayer fort he save Realese of Philip Rizk“ mit 6500 Mitgliedern. Via Internet organisiertn seine Schwester und weiter Unterstützer Demonstrationen in Kairo, London, New York und San Francisco.
Der Internetfeldzug  gegen die ägyptische Justiz wurde aber im Endeffekt von Erfolg gekrönt, da auf Grund der großen internationalen Empören über das rabiate Vorgehen der ägyptischen Behörden und den Druck von allen Seiten wurde Philip Rizk dann schließlich wieder Freigelassen.
Die Demonstrationen sollten aber auf seinen Wunsch aber trotzdem stattfinden, nicht für seine Freilassung, sondern gegen den Krieg im Gazastreifen.

Fazit:

Durch sein Engagement gegen den Krieg in Gaza und die Haltung der ägyptischen Behörden zu ihren palästinischen Nachbarn in seinem Blog „Tabulagaza“ brachte Rizk in die Fänge der ägyptischen Justiz.

Der schnelle und sehr laute Feldzug erregte weltweite Aufmerksamkeit und konnte ihn zum Schluss auch wieder befreien. Somit konnten sich die Blogger erfolgreich gegen ein repressives und menschenverachtendes System zur Wehr setzen.

Stand : 11.02.09

Quelle: www.spiegel.de

Stefan und Jürgen

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